Familie
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Was ich beim „Hoppla, hier komm ich!“ Babykurs gelernt habe

Gestern waren wir bei einem Neugeborenenkurs im Geburtshaus Paderborn. Der Kurs war in zwei Blöcke aufgeteilt. Erst Theorie, gemütlich um einen Tisch mit Brötchen und Säften, und dann Praxis im Kursraum. Insgesamt fast vier Stunden. Zusammen haben wir 25€ bezahlt. Mit uns nahmen zwei weitere Paare teil und der Kurs wurde von zwei Mitarbeiterinnen des St. Vincenz Krankenhauses mit langjähriger Berufserfahrung geleitet. Die kleine Runde war sehr angenehm, weil auf alle Fragen gut eingegangen werden konnte. Großartig habe ich auch gefunden, dass auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse eingegangen wurde und Praktiken, die vor einigen Jahren beliebt waren, als falsch bzw. richtig beurteilt wurden. Inhaltlich ist es um die Zeit nach der Geburt gegangen. Die ersten Lebensmonate. Für mich waren einige Dinge dabei, die ich bisher nicht wusste oder mit denen ich mich nicht beschäftigt habe. Diese möchte ich hier, auch für mich, zum nachlesen festhalten.

Allen werdenden Eltern kann ich einen solchen Kurs nur empfehlen.

Bindung zwischen dem Neugeborenen und den Eltern herstellen ist wichtig und passiert zum größten Teil durch Körperkontakt. Beginnt direkt nach der Geburt indem das Baby auf den Bauch oder die Brust gelegt wird (kann auch beim Vater sein) und später durch viel halten, tragen, kuscheln. Stichwort: Bonding.

Babys brauchen kein Shampoo, keine Cremen, kein Puder und auch sonst nichts. Bestimmte Inhaltsstoffe werden mit Allergien in Zusammenhang gebracht. Mit warmen Wasser waschen reicht. Gut trocknen!

Einzige Ausnahme: Bei wundem Po eine zinkhaltige Creme, um die Heilung zu unterstützen. Uns wurde Mirfulan empfohlen, andere Präparate sind ebenfalls in Ordnung.

Das Neugeborene immer so aufheben und hinlegen, dass es zuerst mit Beinen, anschließend mit einem Arm und erst dann mit dem restlichen Körper Kontakt zum Untergrund hat. Mindert Stress für das Kind indem es besser mitbekommt was los ist.

Badewasser soll 36°C haben. Ein Bad zwischen 5-8 Minuten dauern, da das Kind sonst zu stark auskühlt. Direkt in ein Handtuch packen und abtrocken. Windel anziehen und dann den Oberkörper.

Neugeborene schreien. Beim wickeln. Beim baden. Beim anziehen. In Ruhe weitermachen.

C-Griff gibt Halt, wenn man das Baby badet. Arm unter dem Kopf durch und den Oberarm des Babys umschließen. Daumen oberhalb, restliche Hand unterhalb des Oberarms. Während dem gesamten Bad nicht loslassen.

Keine Badezusätze.

PRE Milch ist die einzige, die es braucht, wenn man nicht stillen möchte oder kann. Alle anderen können der erste Schritt in die Fettleibigkeit sein. Marken haben nur minimale Unterschiede, die nicht relevant sind.

Gibt es in der Familie irgendwelche Allergien, nur HA Milch füttern.

Ein Neugeborenes sollte sechsmal pro Tag die Windel nässen. Macht es dies nicht, bekommt es wahrscheinlich zu wenig Flüssigkeit.

Abgekochtes Wasser kann zusätzlich zu Brust oder Flasche gegeben werden als zusätzliche Flüssigkeit. Dient im Notfall auch als Ersatz.

Abgepumpte Milch hält bei Zimmertemperatur 1 Stunde, im Kühlschrank 3 Tage und eingefroren 6 Monate.

Abgekochtes Wasser, PRE Milch und Muttermilch können Zimmertemperatur haben. Wärmen ist nach aktuellem Forschungsstand nicht nötig.

In den ersten 4 Wochen die Nägel nicht schneiden, da sie noch zu weich sind und die Gefahr von Entzündungen hoch. Nägel fallen von alleine ab. Wenn sich das Kind kratzt Socken drüberstülpen. Es gibt auch Kleidung mit integrierten Handschuhen und spezielle Stülpdinger.

Nach vier Wochen schneidet man die Nägel, während das Kind im Tiefschlaf ist, damit es nicht durch plötzliches ruckeln zu Verletzungen kommt.

Fliegergriff gegen Blähungen. Kind wird auf dem Arm getragen, Hand auf dem Bauch. Die Hand übt einen Gegendruck aus, Gase werden sanft rausgedrückt. Zusätzlich kann man die Beinchen leicht von den Füßen her nach oben drücken.

Neugeborene stehen auf Begrenzungen. Kind auf dem Wickeltisch so hinlegen, dass die Füße gegen den eigenen Bauch berühren. In der Wann so, dass die Füße den Rand berühren. Auch sonst verhindern, dass Gliedmaßen irgendwo herunterhängen.

Kinder entwickeln manchmal Präferenzen für eine gewisse Seite. Dem sollte man entgegen wirken indem man abwechselnd links und rechts anspricht. Beim stillen passiert dies automatisch, daher sollte man darauf achten, wenn man ihm die Flasche gibt. Auch beim hochheben, tragen, etc..

Wenn das Kind auf dem Rücken schläft, ist die Gefahr für den plötzlichen Kindstod am geringsten. Daher sollte man es in die anderen Liegepositionen (Bauch, Seiten) bringen während es wach ist.

Die Nabelschnur fällt nach wenigen Tagen von alleine ab. Wichtig ist, dass sie an der Luft trocknen kann. Daher sollte zu Beginn die Windel so nach unten eingeschlagen werden, dass sie unter dem Nabel aufhört.

Durch die Hormonumstellung nach der Geburt (viele kommen vorher von der Mutter) kommt es wie in der Pubertät zu Akne und durchdrehenden Talgdrüsen. In einzelnen Fällen haben weibliche Neugeborene eine Periode und/oder Ausfluss.

Die Vorhaut bei männlichen Neugeborenen löst sich erst nach etwa vier Jahren.

Windeln nach dem Anziehen nochmals zurechtziehen, damit nichts ziept oder drückt.

Milchstuhl kann spritzen.

Milchstuhl kann viele unterschiedliche Farben haben. Zuverlässiger ist der Geruch. Wenn er beißend ist, stimmt etwas nicht.

Ein feuchter Waschlappen reicht für die Reinigung des Pos.

Meist wickelt man vor dem Stillen. Ist das Kind zu aufgedreht (“HUNGER!!!”) kann man beginnen zu stillen, dann wickeln und dann zu Ende stillen.

Im Zweifel der Intuition folgen. Oder bei der Hebamme anrufen.

Viel Körperkontakt.

Auf sich selbst achten. Geht es einem selbst nicht gut, färbt es auf das Kind ab.

Update:
Tipp von Ori in den Kommentaren: “noch ein tip wg nägel-schneiden: der zwuggel mochte das im schlaf gar nicht, aber er fand den fernseher immer total spannend. der ist immer aus, wenn er mit im zimmer ist. nur beim nägelschneiden ist er an und lenkt ihn super ab!

und als badezusatz, wenn man unbedingt einen im wasser haben will oder generell bei trockener haut, muttermilch ins wasser! wir haben danach immer schön massiert mit olivenöl.”

Bei der roten Fee gibt es weitere Tipps:
Und Bea berichtet von einem nicht ganz so geglückten Pflegekurs.

27 Kommentare

  1. Da wir nie einen Vorbereitungs- oder Neugeborenenkurs hatten, kann ich nur sagen: Da haben uns die Schwestern auf der Frühchenintensivstation ne Menge richtige Dinge beigebracht. 😉

    • Looka sagt

      Sie haben uns erzählt, dass so die Idee für den Kurs auch entstanden ist. Die Fragen und Dinge, die nach der Entbindung auftauchen etwas komprimiert und ausgearbeitet.

      Weitere Fragen könnten wir dann auf Station stellen und vieles würde auch nochmals gesagt werden.

  2. Das ist eine wunderbare Zusammenfassung und zeigt mir, dass wir alles richtig gemacht haben mit unseren Zwillingen!
    Euch alles Gute für die weiter Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt… Geniesst jeden Tag…

  3. Henning sagt

    … und das wichtigste: nicht von sollten wir müssten wir so geht das stressen lassen! 🙂 Intuition vertrauen.

    Und: alles Gute!

  4. Wow, das nenne ich mal super Zusammenfassung 😉 Vielen Dank!

    Ich bin zwar in einem regulären Vorbereitungskurs, aber naja… die Schwangerschaftsdemenz, thihi 😉

    • Looka sagt

      Autsch. Bei uns war der erste Teil des Kurses zwar auch rein theoretisch, aber im zweiten hat jeder Kursteilnehmer sowohl wickeln als auch baden mit einer Puppe ausprobiert. Dadurch, dass es nur drei Paare teilgenommen haben, ist das ganz gut gegangen.

  5. Da hast Du alle wichtigen Dinge schön zusammengetragen. Nur, bzgl. der PreMilch gibt es deutliche Unterschiede. Ich habe da damals (2009) den Ökotest dazu gelesen und dort hat die Bio PreMilch vom Rossmann am besten abgeschnitten, gleich danach kam die von dm. Am schlechtesten weggekommen ist übrigens Milupa. Vielleicht hilft das der ein oder anderen bei der Auswahl. Ich war damals gänzlich überfordert mit der Auswahl als ich nach 7 Monaten und einer Krankheit mit Medikamenteneinnahme sofort abstillen musste.

    • Looka sagt

      Ich bin bei Ökotest oft kritisch, weil sie sich meiner Meinungen zu sehr auf die Werte konzentrieren, anstatt welche Folgen diese haben können. Bei den Säuglingsnahrungen wurden etwa 3-MCPD-Ester beanstandet. Es konnte bisher nicht festgestellt werden, ob diese vom Menschen in das gefährliche 3-MCDP gespalten werden. Bei einem Tierversuch entstanden gutartige Tumore bei einer langfristigen Aufnahme größerer Mengen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat weitere Informationen: http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_3_monochlorpropandiol__3_mcpd_-10538.html

      Ein aktuellerer Ökotest schreib folgendes: “Das Resultat: Alle Pulver sind mit dem Fettschadstoff belastet – allerdings nicht mehr so stark wie früher.” http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=99388;bernr=07;seite=01

      Ich finde es gut, dass man sich damit auseinandersetzt, halte das Risiko in diesem Fall jedoch für gering. Wenn weder dm noch Rossmann in der Nähe sind, würde ich auch ohne Bedenken zu einem anderem Produkt greifen.

  6. Ich bin via FB heute zum ersten Mal hier gelandet und finde diesen Artikel sehr hilfreich. Darum habe ich das mal aufgegriffen und noch ein wenig um eigene Erfahrungen ergänzt, natürlich mit Link und Hinweis auf den Ursprungsbeitrag hier. Ich hoffe, das war okay.

    http://dierotefee.blogspot.de/2013/01/how-to.html

    Ich wünsche noch eine angenehme restliche Schwangerschaft und werde in Zukunft sicher noch mal hier reinschauen. 🙂

    LG

    Die rote Fee

  7. Shelly sagt

    Also mein Mädchen ist jetzt 6 1/2 Monate und bekommt ca. seit dem 4. Monat die Folgemilch 1 und Mittags Brei – nachts kann noch gestillt werden bei Bedarf. Ich habe noch nie gehört (und habe es mit meinen 2 Hebammen + Arzt abgeklärt), dass dies der erste Schritt in die Fettleibigkeit ist ?!

    • die 1er geht wohl noch, danach gibts keinen nutzen bei der milch, ausser, dass mehr stärke drin ist >> mehr kohlenhydrate >> mehr kalorien.
      1er ist der pre noch am ähnlichsten.
      wir geben trotzdem nur die pre, bis er kuhmilch bekommt. an muttermilch kommt nix ran und pre ist eben am muttermilchähnlichsten.

      • Shelly sagt

        Na dann bin ich ja beruhigt. Habe mich den ganzen Abend noch damit auseinander gesetzt und im Prinzip, dasselbe in Erfahrung gebracht. Mit der 2er oder 3er wollte ich eh nicht anfangen, da gibts es dann lieber Brei 🙂 Natuerlich haette ich gerne laenger gestillt, aber jetzt reicht es eben nur noch nachts, wenn die Maus Bedarf hat, ansonsten dann am Morgen 🙂

  8. tolle zusammenfassung!!!

    noch ein tip wg nägel-schneiden: der zwuggel mochte das im schlaf gar nicht, aber er fand den fernseher immer total spannend. der ist immer aus, wenn er mit im zimmer ist. nur beim nägelschneiden ist er an und lenkt ihn super ab!

    und als badezusatz, wenn man unbedingt einen im wasser haben will oder generell bei trockener haut, muttermilch ins wasser! wir haben danach immer schön massiert mit olivenöl. ich nenn ihn dann immer kleine backkartoffel und will ihn in den ofen schieben 😉

  9. Karola sagt

    Es stimmt, Kinder schreien, da muss an wirklich Gelassenheit entwickeln. Beim ersten Kind fällt das noch schwer, beim zweiten ists dann kein Problem mehr.
    Wo ich deutlich andere Erfahrungen gemacht habe, ist beim Nagelschneiden. Beide Kinder kamen mit regelrechten Krallen auf die Welt, abfallen tut da gar nichts. Die haben wir dann recht schnell geschnitten, weil sich das Kind sonst kratzt. Und das sieht nicht nur unschön aus, es tut auch weh. Socken über den Fingern ist zwar eine lustige Idee, aber meine beiden mochten das gar nicht. Es hilft wenn die Kinder abgelenkt sind, beim stillen ging das eigentlich ganz gut.

    • Karola sagt

      Eins noch: Uns hat der Kinderarzt Bepanthen empfohlen, wenn der Hintern rot wird. Und zwar reichlich (das meiste davon geht eh in die Windel) und frühzeit damit das gar nicht erst richtig wund wird.

      • Den selben Effekt erzeugt lange gezogener Schwarztee. Heilt jeden wunden Popo. In vielen Kinderkliniken Gang und Gebe und zudem günstig (sowie ohne Silikone und Paraffine).

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